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Konsolidierung bei Pokerbücher

Donnerstag, August 28th, 2008

Jeder hat gemerkt, dass Poker boomt. Und wer sich nur irgendwie dafür interessiert hat, hat auch gesehen, dass das Angebot an Poker Artikeln rapide zu nahm. Es dauerte nicht lange bis man erste Chipkoffer bei Aldi und Co. zu sehen bekam. Bei den Pokerbüchern war es im Prinzip auch nicht anders, wobei der Büchermarkt stark der Entwicklung hinterher hinkte. So gab es 2006 keine vernünftigen Pokerbücher in deutscher Sprache. Erst 2007 kam etwas Bewegung in den Markt und Bücher wie die Pokerschule standen ganz oben bei Amazon. Jan Meinert hat mit diesem Buch das richtige Produkt zum richtigen Zeitpunkt (wobei es durchaus auch früher hätte erscheinen dürfen) auf den Markt gebracht und das Niedrigpreis Konzept ging voll auf.

Dann ging es eigentlich Schlag auf Schlag. Mit Harrington on Hold’em kamen erstmals deutsche Übersetzungen auf den Markt (Theory of Poker zähle ich nicht weil das deutsche Werk das Attribut “Übersetzung” nicht verdient hat…). Pokerbooks hat es dann endlich geschafft vernünftige Übersetzungen hinzubekommen. Kein “Narrenstraße-Nussfläsh-Gelaber” sondern im gewohnten Onlinepoker Slang. Darum blieb der Erfolg nicht aus und es folgten weitere Übersetzungen.

Doch nun schreiben wir das Jahr 2008, welches langsam aber sicher auch wieder zu Ende geht. Über 1 Jahr nach dem Höhepunkt des deutschen Pokerbooms folgt merklich eine Konsolidierung. Das merkt man eigentlich überall und es ist auch gar nicht schlecht so. Klar, die traumhaften Umsätze bleiben an manchen stellen aus, aber nun weiß man wer sich wirklich mit Poker auseinandersetzen will. Die Partyspieler, die sich mal ein Chipset gekauft und mit paar Freunden am Abend gespielt haben werden sich entweder früher oder später richtig für Poker interessieren oder es einfach lassen und lieber wieder DVDs anschauen und Bierchen trinken…

Die Konsolidierung hat begonnen und das ist auch bei den Pokerbüchern nicht zu übersehen. Dass sich jetzt nicht einfach so wie früher das schnelle Geld mit einem mangelhaften Pokerbuch machen lässt, liegt auf der Hand. Anfängerbücher, die eine breite Zielgruppe ansprechen haben im Prinzip keine Chance mehr, mögen sie noch so toll geschrieben sein oder sonstwie auftrumpfen können. Die Entwicklung der nächsten Monate und Jahre wird ganz klar in die Nischen stattfinden. Hier gibt es durchaus noch Potential, der Massenmarkt bei Pokerbüchern ist jedenfalls abgedeckt, in Amerika übrigens schon länger…

Warum gibt es so viele schlechte Pokerbücher

Montag, August 18th, 2008

Wenn man einmal ganz ehrlich ist und sich alle existierenden Pokerbücher zur Brust nimmt, ist der Großteil davon einfach nur schlecht. Dabei gibt es diverse Definitionen von “schlechten” Büchern. Meiner Meinung nach ist all das schlecht, was für den Leser keinen einzigartigen Nutzen bringt. Wenn ich nun also ein Buch über Pot Odds schreibe und dieses 10 seitige Blättchen veröffentliche, kann man dies sicherlich als schlechtes Buch bezeichnen. Genauso wie eines das überhaupt keine neuen Informationen erhält und dem Leser damit keinen Nutzen stiften.

Wenn man einmal über den großen Teich schaut, wird einem noch viel deutlicher, dass es unglaublich viele schlechte Bücher gibt. Hier stellt sich natürlich auch die Frage warum das überhaupt der Fall ist. Es sind eher weniger geldgeile Autoren, die soeben herausgefunden haben, dass Poker boomt und sich dazu entschließen auch was abzugreifen. Jeder, der nur auf dieser Ebene argumentiert ist ein Ignorant (erinnert mich immer an arbeitslose Ausländerfeinde, die Einwanderer für ihre Misere verantwortlich machen…). Ein Pokerbuch zu schreiben erfordert viel Arbeit, vieeeel mehr als man sich als Laie vorstellen kann. Und der Profit durch ein solches Buch ist vieeeeeel geringer als sich das Nicht-Autoren vorstellen. Wenn ein Noname Autor glaubt er könne mal schnell was über Poker schreiben und reich werden, muss er sich erstmal die Arbeit machen ein Exposé zu schreiben, das er an die Verlage schicken kann. Hierfür braucht er eine konkrete Vorstellung wie das Buch aussehen soll, wie es aufgebaut ist und welche Themen behandelt werden. Dann sollte er mindestens ein Probekapitel beilegen. Das ist schonmal viel Arbeit ohne direkte Gegenleistung. Nun darf er sich auf die Suche nach einem Verlag machen. Theoretisch kann man alle einfach anschreiben und hoffen, dass was zurück kommt, aber der Streuverlust wäre sehr hoch. Also sucht man sich vielleicht erstmal nur die großen Verlage und die, die schon Pokerbücher veröffentlicht haben. Da kommt man auf geschätzte 20. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Durchschnittsexposé umgesetzt wird, liegt bei geschätzten 2 %. Es gehört also eine Menge Glück dazu und man muss wirklich was bieten können um eine Chance zu haben.

Falls man dieses Glück hat, geht es an den Vertrag und wenns schlecht läuft um die Nachreichung weiterer Probekapitel bevor eine Entscheidung getroffen wird. Für Nonames liegt der Preis logischerweise nicht sehr hoch und ein solcher kann sich mit 3000 Euro Vorauszahlung glücklich schätzen. Das heißt erstmal, dass ein Buch mit 200 - 300 Seiten geschrieben werden muss um diesen Betrag zu kassieren. 10 Euro pro Seite ist im Prinzip lächerlich wenig. Der Verkaufserlös liegt dann gerade mal bei 5 - 10 % vom Netto Ladenverkaufspreis. Bei einem 20 Euro Buch liegt der Erlös also gerade mal bei etwa einem Euro. Wenn man 5000 Bücher im Jahr verkaufen will, muss es schon gut laufen und das Buch muss sich schon einen guten Namen gemacht haben. Das durchschnittliche Pokerbuch verkauft sich vermutlich mit 1000 Exemplaren im Jahr eher schleppend. Ein guter Autor oder Redakteur schreibt für diesen Erlös 10 Seiten in einem Magazin…

Also eine Goldgrube sind Pokerbücher für Autoren sicherlich nicht, aber wie sieht es mit den Verlagen aus? Auch eher negativ, denn mit einer Buchproduktion sind hohe Risiken und Fixkosten verbunden. Wenn man sich überlegt 50 % an Amazon, Libri, KNV, etc. abgeben zu müssen, dann kann man sich vorstellen, dass hier nicht viel übrig bleibt. Zu diesem Thema existiert bereits ein Poker Blog Eintrag. Wirklich profitabel wird das Buch erst wenn es richtig anrennt. Bei 5000 Büchern im Jahr wird es schon interessanter. Der Verlag rechnet jedenfalls damit, dass sich nur ein gewisser Prozentsatz der Bücher gut verkaufen wird. Wenn 10 % richtig gute Umsätze bringen, können 90 % nur kostendeckend oder leicht verlust bringend sein. Das heißt zwar im Klartext, dass sich nur jedes zehnte Buch verkauft, aber unterm Strich steht das entscheidende: der Profit. Im Prinzip nichts anderes wie Odds und Pot Odds. Da sollte jeder Pokerspieler bescheid wissen - auch ohne alle Pokerbücher dieser Welt gelesen zu haben…

Die Frage warum es so viele schlechte Pokerbücher gibt lässt sich recht leicht beantworten: Die Verlage kalkulieren schlechte Bücher in einem Programm. Sie gehen nicht 100 % sicher ob das Buch wirklich gut ist und sich verkaufen lässt. Das Resultat sind dann viel mehr schlechte als gute Bücher. Die Autoren sind meist eher die armen Hunde, die viel Zeit und Arbeit in ihr Projekt stecken, am Ende aber meist nicht belohnt werden. Denn wie gesagt verkaufen sich nur die aller wenigsten Bücher ordentlich.

Die echten Kosten eines Buches

Sonntag, August 17th, 2008

Viele Pokerspieler beschweren sich häufig über die “zu” hohen Buchkosten und fragen sich warum hierfür 25 Euro oder auch mehr verlangt werden kann. Dass Übersetzungen teurer sind, leuchtet eigentlich jedem ein, aber trotzdem scheint es für manche keine Rechtfertigung für einen erhöhten Preis zu sein. Was steckt also hinter den tatsächlichen Kosten eines Buches abgesehen vom materiellen Wert von ca. 3 Euro was z.B. ein Hardcover im Druck kostet?

Premium Poker Publishing, kurz PokerBooks übersetzt englische Klassiker der Pokerliteratur und hat abgesehen von einem Buch keine Eigenproduktionen im Programm. Es überwiegen die Bücher vom amerikanischen Two Plus Two Verlag, der -und hier sind sich im Prinzip alle einig- die besten Pokerbücher im Programm hat. Was steht also auf dem Programm um z.B. Harrington on Cash Games Band 1 auf deutsch zu veröffentlichen?

Zunächst einmal müssen die Rechte vertraglich gesichert werden und Two Plus Two möchte natürlich einen Vorschuss und eine deutliche Provision. Eine Übersetzung hat hier schonmal den ersten größeren Kostenfaktor: Das Buch soll diesen Vorschuss recht schnell wieder einspielen und mit der Provision wird die Gewinnmarge gedrückt.

Sind die Verträge unterschrieben geht es an die Übersetzung. Das ist, wie man sich vorstellen kann eine Menge Arbeit und professionelle Übersetzer bekommen zwischen 10 und 20 Euro pro Seite. Konsequenterweise ist das wieder ein großer Kostenfaktor, genauso wie die darauf folgende Lektorarbeit, die meist von zwei Leuten übernommen wird. Auch die arbeiten nicht wohltätig und erhöhen weiter die Produktionskosten. Es folgt die Tätigkeit der Setzer und Layouter, die z.B. aus Ac oder Td ein schönes Kreuz Ass und eine Zehn in Karo machen. Auch das sind einige Tage Arbeit.

Nun geht das Buch nach ewigen Korrekturen zur Druckerei. Je nach Einband und Auflagenhöhe variiert der Druckpreis von normalerweise 1 Euro bis 5 Euro pro Buch. Wenn man zum Beispiel 10 000 Hardcover Bücher drucken lässt, sind 25.000 Euro Produktionskosten nur für den Druck nicht unrealistisch. Dann müssen die Bücher noch von A nach B und beim Verkauf möchte der Buchhändler auch noch eine Scheibe abhaben. 50 % sind mittlerweile schon Branchen üblich und im Klartext heisst das, dass der Verlag ohnehin nur 50 % des Ladenpreises einstreichen kann.

MIt den Kosten für die Rechte, die Übersetzer, Lektoren, Layouter und dem Druck selbst ist es nicht allzu verwunderlich, dass man schnell bei 30 Euro angelangt ist. Ein Schnäppchen ist es dann natürlich nicht mehr, dafür sollte aber die hohe Qualität so manches wieder gut machen. Wer also zunächst erregt ist über 30 Euro, die er für Harrington on Cash Games hinlegen soll, der sollte sich auch einmal Gedanken darüber machen wieviel Arbeit und Geld in einem solchen Buch eigentlich steckt. Was den Pokerspieler viel mehr interessieren sollte als der Preis ist der Return on Investment. Harrington on Cash Games Band 1 für 30 Euro spielt langfristig deutlich mehr Geld ein als irgendein Anfängerbuch für 5 Euro. Im Prinzip auch nichts anderes als die Pot Odds. Und die sollten jedem Pokerspieler ein Begriff sein…

Inattentional Blindness

Montag, August 11th, 2008

Es gibt schon so manche interessante Experimente, die verblüffende Ergebnisse mit sich bringen. Die sogenannte Inattentional Blindness gehört sicherlich dazu:

Auch wenn das Experiment in diesem Video etwas belustigend dargestellt wird, zeigt es wie blind der Mensch eigentlich sein kann und selbst die offensichtlichsten Dinge nicht erkennen kann. Irvin Rock hat hierzu ein erstklassiges Buch geschrieben. Dies ist leider nur auf englisch verfügbar und war auch mir recht schnell zu kompliziert obwohl es mehr als interessant war.

Aber à propos Bücher: Ich weiß nicht wieviele von euch schon einmal eines veröffentlicht haben. Sicher weiß ich, dass es keine perfekten Bücher gibt. Kein Buch ist absolut fehlerfrei, auch wenn das die Leser gerne so hätten. Liegt das daran, dass der Verlag zu faul ist richtig Korrektur zu lesen? Nein, sicherlich nicht. Der Grund ist der, dass die Kapazitäten des Verlages begrenzt sind und die Aufgabe des Lektorats meist nur ein bis zwei Personen zugesprochen wird. Und genau hier liegt schon der Grund für fehlerhafte Bücher. Vielleicht erinnern Sie sich noch an die Abgabe der letzten Deutschklausur. Nach dem Schreiben noch einmal drüber geschaut, kaum Fehler entdeckt, abgegeben und paar Tage später hält man eine mit Rotstift übersähte Arbeit in den Händen. Texte, mit denen man schon sehr vertraut ist liest man ganz anders als beim ersten Mal. Und auf diese Art und Weise findet man kaum mehr Fehler, auch wenn sie beim ersten Durchgang sofort ins Auge stechen würden.
Die logische Konsequenz ist, dass ein Lektor im Prinzip nur die Fehler vom ersten Durchgang findet, der Rest wird vielleicht vom Auge aufgenommen, geht aber am Gehirn vorbei.
Und solange nicht unzählige Lektoren über das Manuskript lesen können, wird es nach wie vor keine perfekten Bücher geben, nicht einmal in der zehnten Auflage… Der Aufwand und damit der Preis für ein derart fehlerfreies Buch wäre immens und würde sich konsequenterweise auf den Verbraucher abwälzen.
Also wer in Zukunft keine 50 Euro für ein einfaches Buch ausgeben möchte, sollte einfach mit dem ein oder anderen Fehler leben. Dieser Artikel ist jetzt natürlich kein Freibrief für schlampige Lektorarbeit, sondern sagt vielmehr, dass sich Lektoren zwar sehr bemühen, aber nicht alle Fehler ausmerzen können.

Kill Everyone geht in Druck

Samstag, August 9th, 2008

Bei Premium Poker Publishing werden wir bald das nächste, in den USA sehr erfolgreiche Buch Kill Everyone herausbringen. Die Übersetzer waren schon fleißíg und auch ich habe kürzlich erst über das Manuskript geschaut. Um ehrlich zu sein war ich erstaunt, denn dieses Buch beinhaltet wirklich fortgeschrittene Konzepte. Wenn man heute auf einem Buch “fortgeschritten” liest, kann man eigentlich nichts besonderes erwarten. Aber in diesem Fall schon und selbst wer die Harringtons auswendig kann, wird so einiges neues mitnehmen können. Am besten ist das Instrument, das das Problem mit der Turnierequity löst. Viele sind erstaunt warum sie z.B. Asse vor dem Flop in einem Qualifier Turnier folden sollten. Hier gibt es nicht nur eine theoretische Lösung aufgrund von ICM (Independent Chip Model), sondern auch eine praktische mit dem sogenannten “Bubble Faktor”. Mit diesem Werkzeug kann man genau die besondere Turnier Equity in den Entscheidungsprozess mit einbauen. Vom Inhalt her ein absolutes Top Buch mit neuen Konzepten, die so noch in keinem Buch der Welt beschrieben wurden.