Posts Tagged ‘Produktionskosten buch’

Die echten Kosten eines Buches

Sonntag, August 17th, 2008

Viele Pokerspieler beschweren sich häufig über die “zu” hohen Buchkosten und fragen sich warum hierfür 25 Euro oder auch mehr verlangt werden kann. Dass Übersetzungen teurer sind, leuchtet eigentlich jedem ein, aber trotzdem scheint es für manche keine Rechtfertigung für einen erhöhten Preis zu sein. Was steckt also hinter den tatsächlichen Kosten eines Buches abgesehen vom materiellen Wert von ca. 3 Euro was z.B. ein Hardcover im Druck kostet?

Premium Poker Publishing, kurz PokerBooks übersetzt englische Klassiker der Pokerliteratur und hat abgesehen von einem Buch keine Eigenproduktionen im Programm. Es überwiegen die Bücher vom amerikanischen Two Plus Two Verlag, der -und hier sind sich im Prinzip alle einig- die besten Pokerbücher im Programm hat. Was steht also auf dem Programm um z.B. Harrington on Cash Games Band 1 auf deutsch zu veröffentlichen?

Zunächst einmal müssen die Rechte vertraglich gesichert werden und Two Plus Two möchte natürlich einen Vorschuss und eine deutliche Provision. Eine Übersetzung hat hier schonmal den ersten größeren Kostenfaktor: Das Buch soll diesen Vorschuss recht schnell wieder einspielen und mit der Provision wird die Gewinnmarge gedrückt.

Sind die Verträge unterschrieben geht es an die Übersetzung. Das ist, wie man sich vorstellen kann eine Menge Arbeit und professionelle Übersetzer bekommen zwischen 10 und 20 Euro pro Seite. Konsequenterweise ist das wieder ein großer Kostenfaktor, genauso wie die darauf folgende Lektorarbeit, die meist von zwei Leuten übernommen wird. Auch die arbeiten nicht wohltätig und erhöhen weiter die Produktionskosten. Es folgt die Tätigkeit der Setzer und Layouter, die z.B. aus Ac oder Td ein schönes Kreuz Ass und eine Zehn in Karo machen. Auch das sind einige Tage Arbeit.

Nun geht das Buch nach ewigen Korrekturen zur Druckerei. Je nach Einband und Auflagenhöhe variiert der Druckpreis von normalerweise 1 Euro bis 5 Euro pro Buch. Wenn man zum Beispiel 10 000 Hardcover Bücher drucken lässt, sind 25.000 Euro Produktionskosten nur für den Druck nicht unrealistisch. Dann müssen die Bücher noch von A nach B und beim Verkauf möchte der Buchhändler auch noch eine Scheibe abhaben. 50 % sind mittlerweile schon Branchen üblich und im Klartext heisst das, dass der Verlag ohnehin nur 50 % des Ladenpreises einstreichen kann.

MIt den Kosten für die Rechte, die Übersetzer, Lektoren, Layouter und dem Druck selbst ist es nicht allzu verwunderlich, dass man schnell bei 30 Euro angelangt ist. Ein Schnäppchen ist es dann natürlich nicht mehr, dafür sollte aber die hohe Qualität so manches wieder gut machen. Wer also zunächst erregt ist über 30 Euro, die er für Harrington on Cash Games hinlegen soll, der sollte sich auch einmal Gedanken darüber machen wieviel Arbeit und Geld in einem solchen Buch eigentlich steckt. Was den Pokerspieler viel mehr interessieren sollte als der Preis ist der Return on Investment. Harrington on Cash Games Band 1 für 30 Euro spielt langfristig deutlich mehr Geld ein als irgendein Anfängerbuch für 5 Euro. Im Prinzip auch nichts anderes als die Pot Odds. Und die sollten jedem Pokerspieler ein Begriff sein…