Warum gibt es so viele schlechte Pokerbücher

Wenn man einmal ganz ehrlich ist und sich alle existierenden Pokerbücher zur Brust nimmt, ist der Großteil davon einfach nur schlecht. Dabei gibt es diverse Definitionen von “schlechten” Büchern. Meiner Meinung nach ist all das schlecht, was für den Leser keinen einzigartigen Nutzen bringt. Wenn ich nun also ein Buch über Pot Odds schreibe und dieses 10 seitige Blättchen veröffentliche, kann man dies sicherlich als schlechtes Buch bezeichnen. Genauso wie eines das überhaupt keine neuen Informationen erhält und dem Leser damit keinen Nutzen stiften.

Wenn man einmal über den großen Teich schaut, wird einem noch viel deutlicher, dass es unglaublich viele schlechte Bücher gibt. Hier stellt sich natürlich auch die Frage warum das überhaupt der Fall ist. Es sind eher weniger geldgeile Autoren, die soeben herausgefunden haben, dass Poker boomt und sich dazu entschließen auch was abzugreifen. Jeder, der nur auf dieser Ebene argumentiert ist ein Ignorant (erinnert mich immer an arbeitslose Ausländerfeinde, die Einwanderer für ihre Misere verantwortlich machen…). Ein Pokerbuch zu schreiben erfordert viel Arbeit, vieeeel mehr als man sich als Laie vorstellen kann. Und der Profit durch ein solches Buch ist vieeeeeel geringer als sich das Nicht-Autoren vorstellen. Wenn ein Noname Autor glaubt er könne mal schnell was über Poker schreiben und reich werden, muss er sich erstmal die Arbeit machen ein Exposé zu schreiben, das er an die Verlage schicken kann. Hierfür braucht er eine konkrete Vorstellung wie das Buch aussehen soll, wie es aufgebaut ist und welche Themen behandelt werden. Dann sollte er mindestens ein Probekapitel beilegen. Das ist schonmal viel Arbeit ohne direkte Gegenleistung. Nun darf er sich auf die Suche nach einem Verlag machen. Theoretisch kann man alle einfach anschreiben und hoffen, dass was zurück kommt, aber der Streuverlust wäre sehr hoch. Also sucht man sich vielleicht erstmal nur die großen Verlage und die, die schon Pokerbücher veröffentlicht haben. Da kommt man auf geschätzte 20. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Durchschnittsexposé umgesetzt wird, liegt bei geschätzten 2 %. Es gehört also eine Menge Glück dazu und man muss wirklich was bieten können um eine Chance zu haben.

Falls man dieses Glück hat, geht es an den Vertrag und wenns schlecht läuft um die Nachreichung weiterer Probekapitel bevor eine Entscheidung getroffen wird. Für Nonames liegt der Preis logischerweise nicht sehr hoch und ein solcher kann sich mit 3000 Euro Vorauszahlung glücklich schätzen. Das heißt erstmal, dass ein Buch mit 200 - 300 Seiten geschrieben werden muss um diesen Betrag zu kassieren. 10 Euro pro Seite ist im Prinzip lächerlich wenig. Der Verkaufserlös liegt dann gerade mal bei 5 - 10 % vom Netto Ladenverkaufspreis. Bei einem 20 Euro Buch liegt der Erlös also gerade mal bei etwa einem Euro. Wenn man 5000 Bücher im Jahr verkaufen will, muss es schon gut laufen und das Buch muss sich schon einen guten Namen gemacht haben. Das durchschnittliche Pokerbuch verkauft sich vermutlich mit 1000 Exemplaren im Jahr eher schleppend. Ein guter Autor oder Redakteur schreibt für diesen Erlös 10 Seiten in einem Magazin…

Also eine Goldgrube sind Pokerbücher für Autoren sicherlich nicht, aber wie sieht es mit den Verlagen aus? Auch eher negativ, denn mit einer Buchproduktion sind hohe Risiken und Fixkosten verbunden. Wenn man sich überlegt 50 % an Amazon, Libri, KNV, etc. abgeben zu müssen, dann kann man sich vorstellen, dass hier nicht viel übrig bleibt. Zu diesem Thema existiert bereits ein Poker Blog Eintrag. Wirklich profitabel wird das Buch erst wenn es richtig anrennt. Bei 5000 Büchern im Jahr wird es schon interessanter. Der Verlag rechnet jedenfalls damit, dass sich nur ein gewisser Prozentsatz der Bücher gut verkaufen wird. Wenn 10 % richtig gute Umsätze bringen, können 90 % nur kostendeckend oder leicht verlust bringend sein. Das heißt zwar im Klartext, dass sich nur jedes zehnte Buch verkauft, aber unterm Strich steht das entscheidende: der Profit. Im Prinzip nichts anderes wie Odds und Pot Odds. Da sollte jeder Pokerspieler bescheid wissen - auch ohne alle Pokerbücher dieser Welt gelesen zu haben…

Die Frage warum es so viele schlechte Pokerbücher gibt lässt sich recht leicht beantworten: Die Verlage kalkulieren schlechte Bücher in einem Programm. Sie gehen nicht 100 % sicher ob das Buch wirklich gut ist und sich verkaufen lässt. Das Resultat sind dann viel mehr schlechte als gute Bücher. Die Autoren sind meist eher die armen Hunde, die viel Zeit und Arbeit in ihr Projekt stecken, am Ende aber meist nicht belohnt werden. Denn wie gesagt verkaufen sich nur die aller wenigsten Bücher ordentlich.

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